Navid Kermani beschreibt die Stadt Köln als „e Jeföhl“, wenn er an seine Wahlheimat Köln denkt
Matthias Wiemers
Der Schriftsteller und habilitierte Orientalist Navid Kermani ist von Geburt Südwestfale. Nachdem sich seine Eltern aus dem Iran kommend zunächst in Siegen niedergelassen hatten, ging er zum Studium nach Köln (und holte seine Eltern später nach). In seinem neuesten Buch hat Kermani eine Reihe von Reportagen und anderen kleinen Texten zusammengetragen, die er in den letzten Jahren in Bezug auf seine Wahlheimat Köln hervorgebracht hat. Da geht es um „Streifzüge“ als Fußgänger, eine Reihe von Beschreibungen „Heilige(r) Kunst“ in der Stadt – von der Pietà in St. Kunibert bis zum neuen, von Gerhard Richter gestalteten Fenster im Dom.
„Stadtgespräche“ handeln vom zweiten Abstieg des 1. FC Köln (Wir sehen: Dieser Text ist schon was älter), dem Streit um die neue Moschee, dem eingestürzten Stadtarchiv, der Debatte um eine Kunstakademie, von der berühmten „Sylvesternacht“ 2015/16, über seine Ansprache zum 70. Geburtstag des 1. FC Köln, und es gibt ein aufgezeichnetes Gespräch über die Debatte um die öffentliche Verwahrlosung („Diese Lieblosigkeit kenne ich nur von Köln“ – man könnte da gewiss auch andere Beispiele in Deutschland nennen, aber lassen wir das hier.)
Schließlich beschreibt Kermani insgesamt sieben mehr oder weniger bekannte Kölner, angefangen von Konrad Adenauer, von dem auch ein Nicht-Konservativer wie Kermani ein positives Bild zeichnen kann, wie wir lesen. Unter den Beschriebenen findet sich übrigens auch der Musiker Jaki Liebezeit, der bis zu seinem Tod über 20 Jahre im selben Haus wie der Autor wohnte – em Eigelsteinveedel, wie sich von selbst versteht.
Warum interessierte mich dieses Buch? Nun, ich bin Ostwestfale, aber nach Familientradition seit je ein (nicht sehr ausgeprägter) Anhänger des „Effzeh“ (Mein Vater gehörte in unserem Dorf zu einer kleinen Zahl junger Männer, die sich von dem erfolgreichsten Verein der Anfangszeit der Bundesliga angezogen fühlten).
Ich bin damals erst im zweiten Anlauf zum Studium an den Rhein gegangen. Erst Münster, dann Bonn – und manchmal war man auch in Köln.
Es ist wohl in der Tat etwas Besonderes, ein Kölner zu sein: e Jeföhl eben. (Der Rezensent freilich ist Westfale geblieben.)
Navid Kermani
Köln. E Jeföhl
Verlag C.H. Beck, 2026
175 Seiten; 23,00 Euro
ISBN: 978-3-406-85095-0
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