Emanuel Towfigh und Alexander Gleixner haben ihr “Smartbook Grundrechte“ neu aufgelegt
Matthias Wiemers
Wer Studierenden heute rein analog etwas beibringen möchte, sieht sich im Vortragssaal einer Zuhörerschaft hinter kleinen Bildschirmgeräten konfrontiert. Diese Geräte sind ein Faktum und werden von den meisten Hochschulen auch vorausgesetzt. Sie stören die Aufmerksamkeit, können aber auch produktiv eingesetzt werden (beginnend mit der banalen Tatsache, dass sich dort stets die aktuellen Gesetzte befinden, wenn man nicht gerade dazu bewogen werden konnte, sich ein aktuelles Printexemplar jedes während der Lehrveranstaltung „einschlägigen“ Gesetzes zu beschaffen.
Um an die reale Trägheit beim Kauf von gedruckten anzuknüpfen: Es ist noch unwahrscheinlicher, dass sich Studierende dann auch noch jeweils ein Lehrbuch beschaffen, wenn schon die Ausgabe für die Gesetzestexte gescheut wird.
Nicht nachvollziehbar erscheint es, wenn vereinzelt sogar „Hochschulen“ versichern, es müssten solche Ausgaben nicht zusätzlich getätigt werden, andererseits muss man auch sehen, dass vielfach Lehrveranstaltungen hybrid oder vollständig online angeboten werden und es den Studierenden nicht immer möglich ist, sich zusätzliche Literatur zu verschaffen. Daher war schon vor vier Jahren, beim Erscheinen der Erstauflage des hier vorzustellenden Werks, eine ausgezeichnete Idee, ein „hybrides Lehrbuch“ zu schaffen, das nicht nur klassisches Lehrbuch (und in äußerlicher Anmutung der bewährten Nomos Lehrbücher) ist, sondern auch in einer Online-Version erscheint und zudem mit zahlreichen verlinkten Videos durchsetzt ist. In diesen Videos stellt der Hauptautor jeweils in einer etwa zwischen zehn und fünfzehnminütigen Bildsequenz den Inhalt des entsprechenden Abschnitts im Lehrbuch mündlich dar und ist hierbei auch zu sehen. Die Videosequenzen decken fast das gesamte Lehrbuch vollständig ab. Die Videos erreicht man über QR-Codes, während man auf diese Weise auch weiteres Material wie Zeitschriftenaufsätze und Zeitungsartikel und einen Zugang zur Lernplattform Jurafuchs erlangen kann.
Das Ganze versetzt jeden Studierenden, wo immer er sich gerade aufhalten mag, in die Lage, den Stoff zur Vorlesung über die Grundrechte zu verfolgen und zu vertiefen. Anders als bei früheren Lehrwerken wird hier allerdings kein Lehrbuchtext gewissermaßen „ausgelagert“, sondern man erreicht online denselben Text noch einmal plus eben weitere Materialien. Selbstverständlich kann man die in der Online-Version zitierten Gerichtsentscheidungen per Mausklick sogleich aufrufen, ebenso Gesetzestexte sowie Texte zu im Text erwähnten (und ebenfalls in blauer Schrift geschriebenen) Begriffen und Persönlichkeiten.
Die Darstellung im Lehrbuch ist eigentlich noch relativ knapp gehalten, aber von Anfang wird Wert darauf gelegt, auch die europäischen Grundrechte mit in den Blick zu nehmen, weil – so Towfigh zu recht – der Verständnis der verschiedenen Grundrechtskataloge und ihres Zusammenwirkens im europäischen Mehrebenensystem für die verfassungsrechtliche Prüfung in der Praxis und im Examen unerlässlich sei (§ 2, Rdnr. 1 und sinngemäß öfter).
Zu Beginn jedes Kapitels werden die folgenden Gliederungspunkte angeführt und mit „Fundstellen“ der entsprechenden Antworten versehen, wird also von herkömmlichen Gliederungen Abstand genommen:
1. Wissen: Das können Sie referieren: …
2. Verstehen: Das können Sie erklären …
3. Anwenden: Das beherrschen Sie bei der Prüfung eines konkreten Falls …
4. Analyse: Das können Sie herleiten …
5. Synthese: Das können Sie einordnen und begründen …
6. Evaluation: Dazu können Sie fundiert Stellung nehmen …
Damit liegt ein herausragender didaktischer Ansatz vor, der es jedem Nutzer erlaubt, seinen individuellen Leistungsstand direkt zu überprüfen. Wenn wir mal den Punkt eine Weile bewusst ausblenden, dass die ganze digitale Technik definitiv die Aufmerksamkeit von Lernenden schädigt und wir uns aber dann daran erinnern müssen, dass – jedenfalls in privaten Hochschulen – die Studierenden dort abgeholt werden müssen, wo sie lerntechnisch stehen, dann kann man sich nur wünschen, künftig weitere Lehrwerke nach diesem Vorbild nutzen zu können. Die European Business School (EBS), an der Emanuel Towfigh lehrt, hat damit auch wieder einmal gezeigt, dass sie zu den staatlichen Hochschulen eine echte Alternative darstellt. Mit messbaren Erfolgen.
Emanuel Towfigh / Alexander Gleixner
Smartbook Grundrechte. Ein hybrides Lehrbuch mit 74 Lernvideos
2. Auflage 2026
450 Seiten; 26,90 Euro
ISBN: 978-3-7560-2009-6