Maske 

Geheime Aufzeichnungen eines Volljuristen 

Liebes Tagebuch,

viele Leute, vor allem Jüngere, tragen hierzulande in den öffentlichen Verkehrsmitteln einfach keine Gesichtsmaske, obwohl dort noch immer eine Maskenpflicht besteht. In den Supermärkten und sonstigen Läden, wo die Maskenpflicht inzwischen aufgehoben wurde, trägt sogar fast niemand mehr eine Maske. Meine aus Südkorea stammende Frau macht das immer ganz fassungslos. Sie findet es unglaublich, wie rücksichts- und verantwortungslos die Europäer sich verhalten. In Korea, sagt sie, habe es nie eine Maskenpflicht gegeben, weil das gar nicht nötig sei, denn beinahe jeder dort trage von sich aus eine Gesichtsmaske beim Einkaufen oder im öffentlichen Nahverkehr. Das nicht zu tun, gelte als extrem unhöflich. Solche Leute würde man dort für unverschämt oder verrückt halten. So sei es bereits lange Jahre vor Corona gewesen, schließlich habe es dort auch schon MERS und SARS und weitere gefährliche Erreger gegeben. Hinzu kommt, dass allein die Grippewellen, die ja auch jedes Jahr – und längst nicht nur in Deutschland – zehntausende Todesopfer fordern, den Gesichtsschutz in Menschenansammlungen rechtfertigen würden. Ganz zu schweigen von der bei uns noch immer weit verbreiteten Unsitte, sich ständig per Handschlag zu begrüßen oder sogar noch jeden und jede zu umarmen. In Asien jedenfalls gehört es zum respektvollen Miteinander, andere nach Möglichkeit nicht mit den eigenen Krankheitserregern zu behelligen.

So weit sind wir hier aber leider noch lange nicht. Das Ergebnis dieser geballten Rücksichtslosigkeit zeigt sich aktuell mal wieder eindrucksvoll. Der Winter hat kalendarisch noch gar nicht begonnen, da haben wir schon einen rekordverdächtigen Krankenstand von deutlich über zehn Prozent plus die Dunkelziffer derer, die sich erkältet ins Büro schleppen und dort zu Superspreadern werden. Und natürlich ist auch ständig von überlasteten Krankenhäusern die Rede. Wie schlimm muss es eigentlich noch kommen, bis die westlichen Menschen auch einmal von sich aus ihre Gewohnheiten überdenken? Wie egoistisch und unsolidarisch ist es, wenn Leute insbesondere ihre älteren Mitbürger in Lebensgefahr bringen, nur weil es für sie selbst so bequemer ist? Und welche Schäden “Long Covid” auf lange Sicht noch anrichten könnte, mag man sich gar nicht vorstellen. Von zwei Betroffenen aus unserem Bekanntenkreis haben wir jedenfalls schon genug Schlimmes darüber gehört…

Allerdings muss ich zugeben, dass auch ich in diesen Fragen einen Lernprozess absolviert habe. Anfangs habe ich mich mit dem Masketragen schon sehr schwergetan. Was auch daran liegt, dass einem ja im Winter mit Maske ständig die Brille beschlägt. Ja klar, das liegt daran, dass sie nicht richtig sitzt. Aber ab einer bestimmten Nasenlänge liegt einfach keine Maske der Welt richtig an. Da haben es die kurznasigen Asiaten schon deutlich leichter…  Daher hoffe ich sehr, dass möglichst bald auch passende Gesichtsmasken für langnasige Menschen erfunden werden. Damit mir nicht wieder so etwas passiert wie neulich bei Edeka, als ich wegen meiner maskenbedingten visuellen Einschränkung versehentlich die falschen Oliven gekauft habe: die mit Paprika gefüllten, die ich gar nicht wollte, die mittlerweile 50 Cent mehr kosten als die einfachen. Wie ich mich darüber geärgert habe…

Dein Johannes

Veröffentlicht von on Dez 19th, 2022 und gespeichert unter JOHANNES, LIEBES TAGEBUCH. Sie können die Kommentare zu diesem Beitrag via RSS verfolgen RSS 2.0. Gehen Sie bis zum Ende des Beitrges und hinterlassen Sie einen Kommentar. Pings sind zur Zeit nicht erlaubt.

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