NDW-Girlie wird 70

Inga Humpe alias Inga DiLemma zum Jubiläumsgeburtstag

Thomas Claer

Zu den prägendsten Frauengestalten der deutschen Musikszene zählen natürlich bis heute die Humpe-Schwestern – und ganz besonders Inga, die jüngere der beiden. Es waren die Jahre des großen musikalischen Aufbruchs, damals, in den späten Siebzigern, als Inga Humpe, die aus dem westfälischen Hagen stammte, ihrer älteren Schwester Annette ins Aussteiger-Paradies West-Berlin folgte und dort zunächst an der FU ihr in Aachen begonnenes Studium der Kunstgeschichte und Komparatistik fortsetzte. Doch schon bald gründete sie mit ihrer Schwester und ein paar Jungs die legendäre Punk-/New-Wave-Formation Neonbabies, und fortan waren Inga DiLemma und Anita Spinetti, so die zeitgemäßen Künstlernamen der Humpe-Schwestern, ein unverzichtbarer Bestandteil der Neuen Deutschen Welle und gehörten zu den großen Attraktionen in der noch geteilten Stadt.

1984, da war Annette schon mit ihrer eigenen Band Ideal groß rausgekommen und Inga hatte mit DÖF den Single-Hit „Codo“, porträtierte Matthias Koeppel die beiden im Schlosspark Charlottenburg vor dem Mausoleum im Stil der „Prinzessinnengruppe“ von Schadow als „Requiem für Luise“. Ein Jahr später fanden die NDW-Prinzessinnen auch wieder zu einem gemeinsamen musikalischen Projekt zusammen und veröffentlichen unter dem Namen „Humpe & Humpe“ zwei ziemlich glatte Pop-Alben.

Der ganz große Durchbruch sollte für Inga Humpe aber erst nach dem Mauerfall kommen, als sie auf den sieben Jahre jüngeren Tommi Eckart traf, der bis heute ihr musikalischer und privater Partner geblieben ist. Das Paar bezog gemeinsam eine – wie man im Osten sagte – Zweiraumwohnung in Berlin-Mitte und hatte damit auch bereits seinen Bandnamen gefunden. Es folgten neun CDs von 2Raumwohnung, die über Jahrzehnte hinweg so etwas wie einen Soundtrack des Berliner Lebensgefühls lieferten.

Überragend war Inga Humpe in all den Jahren vor allem als Sängerin, Komponistin und Texterin. Dass sie auch Keyboard spielen und Synthesizer bedienen konnte, galt als weniger von Belang. Nun ist sie 70, und mit Wilhelm Busch ließe sich sagen: Eins, zwei, drei, im Sauseschritt, düst die Zeit, wir düsen mit.

Veröffentlicht von on Jan. 26th, 2026 und gespeichert unter SCHEIBEN VOR GERICHT. Sie können die Kommentare zu diesem Beitrag via RSS verfolgen RSS 2.0. Gehen Sie bis zum Ende des Beitrges und hinterlassen Sie einen Kommentar. Pings sind zur Zeit nicht erlaubt.

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