One Hit Wonder?

Gabriella Cilmi präsentiert ihr bemerkenswertes Debüt

Thomas Claer

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Wie kann man sich eigentlich einen perfekten Popsong vorstellen? Nun, vor allem sollte er absolut rund, in sich geschlossen sein. Eine Ohrwurmmelodie als Refrain ist natürlich ein Muss. Noch besser aber, er enthält auch einen dazu passenden weiteren Ohrwurm als Strophe. Idealerweise gibt es dann noch einen Zwischenteil mit ebenso begeisternder Melodieführung – aber bitte alles wie aus einem Guss! Und um Himmelswillen keine Längen: Keine Note, kein Part des Stückes darf überflüssig sein. Eine solche Reduktion sollte sich allerdings auch in der Instrumentierung, Rhythmisierung und Produktion des Arrangements finden. Und schließlich – ganz entscheidend: die Gesangsstimme: Wenn hier eine Kleinigkeit nicht passt, sie z.B. zu glatt oder zu steril klingt, ist der Song schon ruiniert.

Einen Volltreffer in dieser Hinsicht landete im vergangenen Sommer die damals erst 16-jährige australische Sängerin Gabriella Cilmi mit ihrem internationalen Single-Hit „Sweet About Me“, der auch durch seinen Einsatz als Werbung für ein Kosmetikprodukt nicht entwertet wurde: eine an die amerikanischen Sechziger (Retro-Welle!) erinnernde Soulpop-Nummer, gewürzt mit jazziger Gitarren-, Kontrabass- und Xylophonbegleitung. Vor allem jedoch verfügt das Mädchen von Down Under, das alle Lieder ihres Debüt-Albums zumindest mitgeschrieben und –getextet haben soll, über eine erstaunlich reife Stimme. Wie sie zu dieser in ihrem erst zarten Alter gelangen konnte, wollen wir lieber gar nicht so genau wissen. Es besteht allerdings Grund zur Annahme, dass mit den „Lessons to be learned“ im Albumtitel nicht die ihrem Alter entsprechenden Schulaufgaben gemeint sind. Die übrigen Lieder der CD fallen zwar, was nicht verwundern darf, im Vergleich zu „Sweet About Me“ etwas ab, lassen aber dennoch hier und da das bemerkenswerte Talent der jungen Künstlerin aufblitzen.

Wer so früh einen kommerziellen Über-Hit landet, hat es bekanntlich später meist doppelt schwer. Schnell ist dann vom „One Hit Wonder“ die Rede, das schon bald in Vergessenheit zu geraten droht. Hoffen und wünschen wir, dass Gabriella ihr früher Ruhm nicht in so verhängnisvolle Eskapaden treibt wie die ebenfalls hochbegabte Amy Winehouse – oder wie die, sagen wir, nicht ganz so hochbegabte Britney Spears. Das Urteil lautet: vollbefriedigend (10 Punkte).

Gabriella Cilmi
Lessons to be learned
Island (Universal) 2008
Ca. € 17,-
ASIN: B001A72XKW

Veröffentlicht von on Apr 29th, 2009 und gespeichert unter SCHEIBEN VOR GERICHT. Sie können die Kommentare zu diesem Beitrag via RSS verfolgen RSS 2.0. Sie können eine Antwort durch das Ausfüllen des Kommentarformulars hinterlassen oder von Ihrer Seite einen Trackback senden

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